Das Verzeihen

Verzeihen bedeutet nicht, zu entschuldigen.

Im Unter­schied zum Entschuldigen ist das Verzeihen eine rela­tiv wertfreie Angelegenheit.

 

Mit dem Verzeihen erfolgt kein „Freisprechen“ von einer vorher zugewiesenen Schuld, sondern der Ver­zicht, jemanden einer Eigenschaft, einer Tat, einer Handlung zu bezichtigen.

Selbst als nicht attraktiv gewertete Wesenszüge eines zum Beispiel geliebten, geachteten, verehrten Men­schen gelten als „verzeihlich“ – sofern das Wesen der Person ins­gesamt ein­leuchtet.

 

Verzeihen bedeutet nicht, die Schuld einer anderen Per­son festzustellen um dann trotz der festgestellten Schuld des Gegenübers, des Mitmenschen, sozusa­gen gnädig mit dieser Per­son umzugehen.

 

Verzeihen ist, in Unterscheidung zum Entschuldigen, eine Person im Ganzen zu akzeptieren, Abstriche zum Beispiel in Bezug auf deren Verhalten und Handeln in Kauf zu neh­men;

Entschuldigen ist, in Unterscheidung zum Verzeihen, eine Person trotz erkennbarer bezie­hungsweise zuge­wiesener Schuld zu tolerieren.

Wer weiß es anders, besser, angemessener?

 

H.H., Februar 2018

Loslassen können – das gewisse Etwas und das Spektrum der gewissen Extras

Bezaubert sein von einem gewissen Etwas und in der Folge den Blick, die Sinne, nicht abwen­den zu können, erschwert gedankliches, emotionales Los-Lassen. Das Los-Lösen, der Abschied vom Objekt, vom Bild, von der Person löst Bedauern aus.

Das bezaubernde gewisse Etwas bezaubert selbst in der Erinnerung – wenn auch von Bedau­ern we­gen Verlust und vergangener Freude begleitet.

 

Ganz anders der reuevolle wie auch der nachträglich kontrollie­rende Blick zurück auf Gewesenes. Dieser Rückblick ist geeignet, unmittel­barer Nachbar zum Gewissen zu sein:

Gedankliche Beschäftigung mit Ge­wesenem, Verlassenem, Aufgegebenem, Auf­gelöstem rückt un­beachtet Gebliebenes, leicht­fertig Über­sehenes so­wie als nicht erledigt Emp­fundenes in den Fokus, kann Reue und auch Ängste aus­lösen.

Zweckbezogener Erfolg einer Handlung, flankiert von Extras aus Machenschaften und Win­kelzügen zum Erfolg gebracht, birgt hinter der schönen Zweckerfüllung dauerhaft das Spekt­rum der gewissen Extras:

Dem Blick zurück derjenigen, die solchermaßen er­folgreich ihren Zweck erreichen konnten, bietet sich neben dem Erfolg das gesamte Spektrum der Machenschaften und Winkelzüge.

Übeltäter zum Beispiel kommen nicht unbedingt tat­sächlich an den Tatort zurück, jedoch gedanklich zur Tat, auf mögliche verbliebene oder entste­hende Umstände, die den Erfolg ihrer Handlung und Täterschaft zeigen – auf Hinweise zu den gewissen Extras, die zum Erfolg der Tat verholfen haben.

 

Der nachträgliche Blick zurück auf die gewissen Ext­ras einer Handlung gilt dem Zweck der Kontrolle, dem Zweck, dominant in das Bewusstsein rückende Extras zu entsorgen.

Abstand und Zäsur anzustreben, indem das Spektrum der gewissen Extras durch offen gelas­sene Hintertür­chen entsorgt werden soll, zeitigt er­neut zweckbe­stimmte Anstrengung – An­strengung auf einen weite­ren sich ergebenden angezielten Er­folg bezogen.

 

Die Vorstellung, ein innerer Mitwisser interes­siere sich für Verhalten und Hand­lungen aller Menschen galt im antiken Griechenland. Heute spre­chen wir vom Gewissen und in diesem Zusammenhang vom Wesen einer Person und deren Handeln.

Die heutige Vorstellung vom Wesen einer Person oder einer Handlung beschreibt im We­sentlichen [!] grundlegende Eigenschaften der Person sowie grundlegende Be­schaf­fenheit der Handlung.

 

Wenn im alten Griechenland der innere Mitwisser „sei­nen“ Menschen bei den Göttern ver­petzte oder lobte, „wussten“ die Götter, wel­che göttliche Reaktion jeweils angemessen er­schien:

Inneres, „göttliches“ Wissen – dies dürfte in der Antike nicht anders gewesen sein, als in der heutigen Zeit – verlieh dem inneren Mitwisser Ausdauer, um Erinnerung an das gewisse Etwas zu hegen sowie das Spektrum der gewissen Extras anhaltend zu pflegen.

Das Wesen des Menschen an Los-Gelassenem, an Gewe­senem [!] gemessen zeigt: Das Wesentli­che bleibt in jeder Hinsicht grundlegend erhalten. Ent­wicklung ebenso wie Fortschreibung sind lediglich ge­eignet, Wesentliches zu verstärken, beziehungs­weise abzu­schwä­chen oder [„wie verhext“?] mit weiteren Extras zu verse­hen um einen weite­ren Zweck zu erfüllen.

 

H.H., Januar 2018

Sechs Monate Texte im Blog: Sich erinnern, Austausch im Gespräch, Diskurs beleben

Die Idee:

Eine ausgewählte Aussage aus dem jeweiligen Text wird zum Schwerpunkt und das zugehörige Thema zur untergeordneten Info.

15. Juni 2017 : … hinein ins Geschehen … Es geht um Wissen und Wissenswertes, um Interessantes und Interessierte, um Klugheit und kluges Handeln  [Thema: Flott begonnen]

15. Juni 2017: … Striktes Positionieren gegenüber abweichenden Aspekten in der Auseinandersetzung wer­tet und entwertet Sichtweisen. … [Thema: Keinen Streit wert oder einen Streit wert? Konflikt und Auseinandersetzung – erle­benswert und innovativ oder wert und teuer]

17. Juli 2017: … Die Menschen, die in der Türkei in Haft genommen sind, kenne ich nicht, aber ich würde gern mehr über sie wissen. … [Thema: Erdogan diskriminiert sein Volk, indem er Persönlichkeiten zur Geltung bringt, die eigentlich niemand haben will]

24. August 2017: … Mit Traumatisierung gut durchs Leben zu kommen ist wahrscheinlich der Bereitschaft zum Risiko zuzuordnen, „Es“ anzugehen, ein Trauma beschwertes Risiko, hat kaum etwas mit Un­ternehmung wider besserem Wissen zu tun – eher mit dem Wissen um kalkuliertes Risiko. … [Thema: Risiko und Trauma – ein konstruktives Pärchen?]

19. September 2017: … „findest Du mich gut, finde ich Dich gut und wenn mich viele andere gut finden, finden die gut, dass Du mich gut findest …“ ist der Handel ohne Bestätigung und ohne Abschluss. Mit diesem Handel kommt Angst auf – Angst vor der quälenden Erkenntnis, dass niemand unter den Handelnden weiß, was an der anderen Person eigentlich gut ist und wie es dazu kommt, dass dies gut sein könnte … [Thema: Wer die Wahl hat, hat die Qual der Angst vor der Entscheidung]

19. September 2017: … zu entscheiden, Störung im Dasein als unweigerlich gesetzt zu registrieren, eröffnet die Chance, sensationelle Attraktionen zu entdecken: Die Sensation, attraktive Perspektiven bis­lang unbeachtet gelassen zu haben. [Thema: Verharren oder sensationelle Attraktionen in sich entdecken]

31. Oktober 2017: … das willkürliche Einwirken wird als erworbene Erkenntnis sehr wahrscheinlich in die künftige Lebensgestaltung einfließen. …  / … die Banalität des Bösen in Zusammenhang mit empörender Dummheit. … Gibt es über­haupt, irgendwo, zuverlässig-berechenbar Schutz vor banal Bösem und Dummem? [Thema: Der türkischen Gefangenschaft entronnen – das Entsetzen lässt Freude nicht auf­kommen.]

3. Dezember 2017: … die Möglichkeit der „fallweisen Erfindung anständigen Verhaltens“. … [Thema: Sportlich nehmen – wer sich einer Sache verschreibt, entspricht der Neigung und bekennt sich zur Pflicht?]

 

Zum Jahresausklang viele Grüße von Hannelore Haupt

 

Sportlich nehmen – wer sich einer Sache verschreibt, entspricht der Neigung und bekennt sich zur Pflicht [?]

„Nimm’s sportlich …“ lautet eine gängige Aufmunterung wenn es um Enttäuschung, um Zu­rückweisung, um Streit, um vermeintliches Unrecht geht. „Sportlicher“ Sichtweise stehen geregelte Erwartungen als Anforderungsmuster des Parcours und der Kür zur Verfügung: Geregelte Pflicht und die Regelung der Neigung sozusagen.

Den geregelten Erwartungen kommt das Prädikat „enttäuschungsfest“ zu.

Bedeutet dies, sich der Verantwortung im Interesse einer Sache [sportlich] zu stellen, indem willentlich enttäuschungsfeste Haltung eingenommen und beibehalten wird?

Kommen – sportlich genommen – Anforderungen zwischen Pflicht und Neigung ohne Hinter­fragen nach Wille … Willkür … unwillkürlich aus?

 

Dem komplexen Regelwerk des Parcours stellen sich Sport Treibende und Spielende – frei­willig, ehrgeizig, erfolgsorientiert. Präzise vorgegebene Hindernisse [Schikanen] in Verbindung mit präzisen Regeln zur Bewäl­tigung der abgesteckten Strecke gestalten den sportlichen Wettstreit.

Dem verbindlichen sportlichen Leistungsstreben ähnlich laden Karten- und Brettspiele ein, spielerischem Ansporn zu folgen.

Geregelte Schikanen sportlich „zu nehmen“ spornt an, sich selbst mit vergleichbar Motivierten im Wettstreit zu erproben, sich solchermaßen gewürdigt zu sehen.

 

Die Herausforderung der Kür begründet sich auf die Akzeptanz der Pflicht, nämlich der „Schi­kanen“ des Parcours und das kompetente Umgehen mit dem Gesamtregelwerk. Anders als das verpflichtend vorgegebene Bewältigungsschema zeigt sich – variiert entworfen – kreative Bewältigung der vorgegebenen Elemente und Strecken.

Die Kür resultiert aus individuell entwickelter Befähigung. Der Zweck, Fertigkeit, Leistungsbe­reitschaft sowie die Auseinandersetzung mit Hindernissen und Regeln individuell kreativ im Wettstreit zu bewältigen, wirbt um Würdigung.

Und wenn sich das Regelwerk mit den Schikanen, den präzise vorgegebenen Regeln und Strecken als beengend oder individuell unpassend erweist? Wenn auch eine Kür nicht gelingt – willkürlich oder unwillkürlich die Schikanen nicht zu nehmen sind? Ist dann der Wille, die Neigung zu überdenken, sich aus der Pflicht zu lösen, akzeptabel? Soll es dann die Akzeptanz als Ausdruck von Respekt für willentliche Entscheidung sein  oder das Pflegen weiterer Muster wie Zuweisung, Unterstellen, Distanzieren?

Ein vormals maßgeblicher Verfassungsrechtler gab einmal den Hinweis auf die Möglichkeit der „fall­weisen Erfindung anständigen Verhaltens“. Wie dies gehen soll, umriss er nicht mit dem Hin­weis auf Regelwerke, sondern mit dem Grundsatz, „den Geist im Apparat selbst zur Geltung zu bringen“.

 

Zur weihnachtlichen Kür, nicht nur die Ernährung sicher zu stellen, sondern Leckereien und feines Essen anzubieten und zu genießen sowie neben der alltäglichen Grundversorgung für die Nächsten besondere Aufmerksamkeiten zu  verschenken, sende ich die besten Wün­sche.

Am ersten Advent 2017  –  Hannelore Haupt

Der türkischen Gefangenschaft entronnen – das Entsetzen lässt Freude nicht aufkommen.

Ein Horrorszenario wird wahr:  Spontan verärgerte Regierende  wirken mit den Mitteln der Macht des Staates auf Männer und Frauen ein, setzen solcher­maßen ins Machtvisier Ge­nommene fest­.

Wenn die Festgesetzten erfahren, dass simpler Ärger, dass vorwürfliches Beleidigtsein das Einwirken der Staats­macht an­reizte, ist es vorstellbar, dass sich fas­sungslose Ohnmacht ausbreitet.

Wenn das Erkennen einsetzt, nicht etwa gegen er­kenn­bar bestehende Normen, Regeln, Gesetze ver­stoßen zu haben, sondern aktuellen [aktuali­sierten] Sichtwei­sen negativ zu genügen, wird ab­artiges  Horrorszenario wahr: Die zur Staatsmacht gehörende Gerichtsbarkeit be­findet über Verdacht und Beschuldigung, de­ren Zusammenhänge für die festgesetzte Per­son nicht ab­sehbar waren, nicht in bislang folge­richti­gem Sinn nachvollziehbar sind. Entsprechend wird eine Verteidi­gung zur Farce.

 

Kurt Baschwitz als Politik- und Kommunikations­wis­sen­schaftler, auch persönlich erfahren in Sa­chen Terror des Dritten Reichs, erklärte das hilflose Er­starren eines solchem Terror ausgesetzten Men­schen als stumme Panik.

Solchem Terror entronnen wiegt Erleichterung das Ent­setzen zu einem Teil auf – aber Freude, selbst wenn der Status lautet “DAVONGEKOMMEN“, dürfte umfas­send und ungebremst kaum aufkom­men.

 

Das Wissen, infolge  promi­nenter In­tervention bei der einwirkenden mächtigen Person „DAVONGEKOMMEN“ zu sein, gibt nicht zu steu­ernder Vorsicht Raum – neben „eingehandelter“ grundle­gend blei­ben­der Angst. Unabhängig davon, ob „DAVONGEKOMMEN“ be­deu­tet, sich nochmals einer abschließenden Be­trachtung durch die Terror verbreitende Macht aus­setzen zu müs­sen oder auf [macht-]räumlich siche­rem Abstand bleiben zu können – das willkürli­che Einwirken wird als erworbene Er­kenntnis sehr wahr­scheinlich in die künftige Le­bensgestaltung einflie­ßen.

Da sind sich aufdrängende Fra­gen nicht weit her ge­holt: Welche Räume und Möglich­keiten des unwägba­ren Einwirkens sind weiterhin, wann, wo und wo­raufhin an­zutreffen – wie soll die Vor­sicht ausge­richtet sein, um unwägbare machtge­steuerte Ein­wirkungen vermeiden zu können?

Und „rettend“ in­tervenierende Persönlichkeiten? Und deren Knowhow, sich im Be­reich unwägbaren Ein­wirkens zu bewegen – wenn nicht akzeptie­rend, so vielleicht zu­mindest tolerierend? Hinterfragen oder nicht? Wohl eher nicht.

 

Anhaltend davon auszugehen, in nicht vorherseh­barer Weise Bestimmungen und Sanktionen aus­gesetzt zu sein – Bestimmungen und Sanktionen, welche stets zu ändern, nicht wägbar, welche so­gar fallbezogen anzu­passen sind – „das hält keine S_ _  aus“. Wobei zumindest dem soeben beinahe unge­bremst benannten Nutztier kaum schwanen dürfte, dass es je­derzeit geschlachtet wer­den könnte.

 

Heute ist Reformationstag. Es wird an Dr. Martin Luther erinnert. Martin Luther ging mit der Willkür Mächtiger hart ins Gericht – und war selbst Repressalien und Ängsten ausgeliefert.

Heute feiern Gruselwillige lustvoll Halloween – wer möchte Unpassendes zwischen beiden Anlässen an einem Tag oder Ge­gensätzliches beklagen?

 

Hannelore Haupt

 

PS

Apropos Gruseln! Wie wird der mächtige Herrscher aus dem Morgenland reagieren, wenn sein auf Für­sprache zunächst freigelassenes Opfer nicht zur ge­richtlichen Fortsetzung des machtvollen Einwirkens er­scheint? Wird dies dem Mächtigen als Begründung dienen, die weiteren fest­gesetzten Opfer in seinen Fängen eingesperrt zu las­sen?

Ein dummes Spiel zulasten Kluger, Gebildeter, Ge­scheiter – banal? Die Banalität des Bösen? Eine kluge Frau aus dem vergangenen Jahrhundert brachte die Banali­tät des Bösen in Zusammenhang mit empörender Dummheit.

Und:

Gibt es überhaupt, irgendwo, zuverlässig-bere­chenbar Schutz vor banal Bösem und empörend Dum­mem?

                                                                                                          Hannelore Haupt

Verharren oder sensationelle Attraktionen in sich entdecken

Sich selbst neu zu erfinden als bahnbrechende Idee fällt zunehmend mehr oder weniger interessanten Menschen ein.  Die Neuerfindungen in unterschiedlich prominenter Ausprägung  präsentieren sich als einzigartige Sensation indem sie an Talkshows teilnehmen oder sich per Stories und Reportagen mitteilen.

 

Irritierende Einschnitte im Daseinslauf und im Lebensalltag entfesseln selten den Drang, sich neu zu erfinden. Viel eher dominiert im Fall solcher Störungen die Verlockung des Verharrens – zum Beispiel, wenn sich Veränderungen in zwischenmenschlichen Verbindungen unter Eltern, zwischen Lebensgefährten, in Familien ergeben, wenn geschäftliche Gemeinschaften auseinanderbrechen, wenn beruflich vertraute Grundlagen wegfallen.

Den Störungen im Dasein verharrend zu entsprechen könnte als Taktik des Aussitzens zu akzeptieren sein: Warten, bis alles irgendwie und irgendwann vorbei gegangen ist.

Warten, aussitzen und ignorieren oder sich ängstigen , sich beklagen, schwarzmalen?

 

Verharren und Abwarten kann gleichgesetzt werden mit dem Ignorieren entstehender Freiräume – zeitlicher wie auch örtlicher Freiräume:

Freiräume, frei von gewohnter Besorgnis und Enge – stattdessen mit sichtbar gewordenen Perspektiven, ohne die störende Statur von sich wichtig nehmenden Leuten in Blick.

Sich zu entscheiden, Störung im Dasein als unweigerlich gesetzt zu registrieren, eröffnet die Chance, sensationelle Attraktionen zu entdecken:  Die Sensation, attraktive Perspektiven bislang unbeachtet gelassen zu haben.

Die sensationelle Attraktivität bislang ungenutzter Fähigkeiten, sich auf zwischenmenschliche Abfolgen variantenreich einzulassen, toppt jede Neuerscheinung aus den Talkshows, Stories und Reportagenerlebnisnah und erlebenswert.

 

Wenn beim Rumgurken auf ausgefahrenen Gleisen Störung signalisiert wird, erscheint die Möglichkeit, neben der ursprünglichen Streckenführung einen Weg zu bahnen, als vernünftig, angemessen und vielleicht auch als Eröffnung sensationell attraktiver Perspektiven.

Hannelore Haupt

 

 

Wer die Wahl hat, hat die Qual der Angst vor der Entscheidung

Das Richtige zu tun und das Falsche zu lassen als Daseinsmotto erscheint als sichere Basis in der Ausrichtung unseres Daseins. Wenn allerdings als einzige Antwortmöglichkeit auf die Frage nach „richtig oder falsch“ die Phrase „die einen sagen so und die anderen so“ bleibt, kommt der Angst vor der Entscheidung ein solider Stellenwert zu.

„Falschheit ist das Gegenteil von Wahrheit“ stellte ein elfjähriger Junge in einer Familienkonferenz für streitende Trennungseltern und deren Kinder fest – offensichtlich überwältigt von seiner Erkenntnis. Der elterliche Anspruch, das Richtige zu tun und das Richtige vom Kind zu erwarten war dem Forschen nach Falsch und Wahr entgegen gesetzt worden. Die Möglichkeit, mindestens zwei und hierbei wesentlich mehr Wahrheiten zu entdecken, sobald Streit, „mitspielt“, ließ die Kinder eifrig und die Eltern nachdenklich werden: Eltern, Großeltern, nähere und weitere „Schaften“ aus Freunden, Bekannten und Verwandten bringen weitere Wahrheiten ein. Und, wenn es ganz bitter kommt, steuern Behörden und Sachverständige weitere Wahrheiten mit dem Anspruch auf Richtigkeit bei.

Die Familienkonferenzen und vergleichbare Veranstaltungen mündeten regelmäßig in Absichtserklärungen, künftig wie Forscher nach falsch und wahr zu fragen – nicht nach richtig. Lediglich die Reihenfolge des Fragens sollte angesichts der Vertrauensbeziehung zwischen Familienmitgliedern nicht mit „falsch“, sondern mit „wahr“ beginnen.

 

Hat die Qual der Angst vor der Entscheidung mit den „Erkenntnisblasen“ der „Erkenntnis-Schaften“ zu tun? Sind es die „find-ich-gut“-Signale, die in  den „Blasen“ der „Schaften“ gesammelt werden, mit den „find-ich-gut-Signalen“ [Likes?] die wir abgeben, wenn wir dazu gehören wollen, wenn wir auf der richtigen Entscheidungsseite stehen wollen?

Wenn das Richtige gezeigt und als solches angepriesen werden soll, muss der Wahrheitsgehalt überprüfbar sein, inwieweit das Richtige auch wahrhaftig das Richtige ist. „Gibst Du mir, geb ich Dir“ funktioniert als Formel unter diesem Vorzeichen nur, wenn das Falsche ausgeschlossen werden kann.

„Findest Du mich gut, finde ich Dich gut und wenn mich viele andere gut finden, finden die gut, dass Du mich gut findest ….“ ist der Handel ohne Bestätigung und ohne Abschluss. Mit diesem Handel kommt Angst auf – Angst vor der quälenden Erkenntnis, dass niemand unter den Handelnden weiß, was an der anderen Person eigentlich gut ist und wie es dazu kommt, dass dies gut sein könnte … / Hannelore Haupt

 

Risiko und Trauma – ein konstruktives Pärchen?

Als Pärchen konstruktiv – lautet gut, gibt keine Bedingungen und keinen Blickwinkel vor.

Aus dem Blickwinkel der seelischen Erschütterung , des erlebten Schocks werden Bedingungen für oder gegen das Zusammengehen des Pärchens erkennbar.

Wenn Trauma als versteckt bestehende Bereitschaft verstanden wird, erschütterndes und schockierendes Erleben zu verstärken, dann ist die Nähe zum Risiko eigentlich garantiert.

Erschütterndes, schockierendes Erleben als Erfahrung lässt „risikoscheu“ werden? So, wie vieles in unserem Dasein durch Irrtum und Erfahren zu lebenswichtigem Wissen wird, bringt auch Traumatisierung Erfahrungswissen mit sich.

Trauma – das Erfahrungswissen für Fortgeschrittene? Why not?

Risikofreude, die Bereitschaft zum Risiko auf das Trauma zugeschnitten? Zumindest als Idee nicht von der Hand zu weisen.

 

Mittels Erfahrungswissen richten wir uns in unserem Leben gut bis luxuriös ein.

Verträgt gutes Leben Umgehen mit Traumatisierung?

Mit Traumatisierung gut duchs Leben zu kommen ist wahrscheinlich der Bereitschaft zum Risiko zuzuordnen. „Es“ anzugehen, ein Trauma beschwertes Risiko, hat kaum etwas mit Unternehmung wider besserem Wissen zu tun – eher mit dem Wissen um kalkuliertes Risiko.

Wer hat es geschrieben oder gesagt: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“?

Wer auch immer sagt, „es klappt nicht“ – vielleicht kommt es doch hin: Lebensqualität ist,  wenn wir nicht nur trotz Traumatisierung, sondern genau deswegen risikofreudig unseren Alltag angehen? Schließlich wissen wir einiges darüber, was schief gehen könnte.  Und Risiko gemeinsam mit Abenteuer gibt auch ein schönes Pärchen ab. Wobei Abenteuer und Lust nicht nur ein Pärchen bilden, sondern sogar zu einem vielversprechenden Begriff zusammenschmelzen: Zu Abenteuerlust!

Hannelore Haupt

 

Erdogan diskriminiert sein Volk indem er Persönlichkeiten zur Geltung bringt, die eigentlich niemand haben will

Das türkische Staatsoberhaupt bestellte den amerikanischen Botschafter in Ankara ein. 12 (zwölf) türkische Leibwächter, so der Vorwurf aus dem türkischen Regierungsestablishment, sind nach dem Besuch des türkischen Regierungschefs in den USA verhaftet worden:                                                                                                                                 Schläger zu sein wird diesen 12 Leuten vorgeworfen, nachdem sie im Gastgeberland Leute verprügelten, die als Demonstranten Unwillen und Empörung gegenüber Erdogan ausgedrückt haben.

 

Schlägernde Türken mit Erdogan zu Besuch in den USA – jubelnde Türken waren nicht dabei. 

Was nimmt sich der türkische Staatsmann mitsamt seinen Regierungsvertretern heraus, was maßt er sich an?

Er diskriminiert sein Volk, indem er Persönlichkeiten zur Geltung bringt, die eigentlich niemand haben möchte!

Die türkischen Menschen, die ich kenne, prügeln nicht.

Die türkischen Menschen, die ich kenne, jubeln auch nicht, wenn Menschen in der Türkei massenhaft in Massenhaft genommen werden.

Die Menschen, die in der Türkei in Haft genommen sind kenne ich nicht, aber ich würde gern mehr über sie wissen. Ich hätte es gern, wenn diese massenhaft eingesperrten Menschen mit ihrem Regierungschef Erdogan Staatsbesuche absolvierten. 

Die türkischen Menschen, die in unserem Land ihrem brutal agierenden Regierungschef ihre Stimme geben, erscheinen als Erdogans jubelnde Türken. Kunststück:                                                                                                                           Liberalität und Freiheit außerhalb der Türkei zu genießen und für die Leute daheim den Erdogan etablieren – da lässt es sich im freiheitlichen Ausland gut jubeln.

Hannelore Haupt, vorm.  Schn.-Haupt

 

Keinen Streit wert oder einen Streit wert? Konflikt und Auseinandersetzung – erlebenswert und innovativ oder wert und teuer

Worum handelt es sich, wenn es um einen Konflikt geht?

Wohin sind wir geraten, wenn wir uns in einem Konflikt befinden?

Was hat Auseinandersetzung mit Konflikt zu tun?

Wenn zum Beispiel zwei Personen  aneinander geraten nachdem sich unterschiedliche Auffassungen und Sichtweisen in einer Sache herausstellen, zeichnet sich in Bezug auf diese eine Sache ein Konflikt ab.  Mit dem Ringen zugunsten und zu ungunsten unterschiedlicher Werstellungen werden Bestrebungen nach obsiegen und unterliegenlassen erkennbar.

Konflikt lässt uns in Zwiespalt geraten, wenn Wertstellungen unter unterschiedlichen Aspekten gewichtet sind, wenn Entscheidungen in Bezug auf diese Unterschiede anstehen.

Es ist der Zwiespalt der uns zu schaffen macht, wenn zugunsten oder zuungunsten vorhandener Werstellungen Stellung bezogen wird, wenn Entscheidungen diesbezüglich anstehen. In unterschiedlicher Weise manifestieren sich Aspekte – unterschiedlich von Person zu Person. Voneinander abweichende Sichtweisen entstehen. Wertstellungen gelten als angegriffen und werden zum Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen Personen und deren Sichtweisen.

Auseinandersetzungen bergen sowohl innovative Perspektiven in sich als auch entwertendes Positionieren:

Innovation ist dem Diskurs zuzuschreiben. Sich mitteilend Mitteilung entgegen nehmen – Diskurs holt konstruktiv lebenswerte Perspektiven in den Fokus.

Striktes Positionieren gegenüber abweichenden Aspekten in der Auseinandersetzung wertet und entwertet Sichtweisen. Gewertete und entwertete Sichtweisen sind vom Muster des Obsiegens und Unterliegens geprägt.

Die Wertungsmuster Obsiegen und Unterliegen sind dem Streit zuzuschreiben. Streit bezieht sich auf Werte und Gewertetes, auf Wertes und Teures.

 

Soviel vom heutigen Tag im Forum.

 

Ich freue mich auf Kommentare, Meinungen, Erfahrungswissen

– Hannelore Haupt, vorm. Schn.-Haupt