Verharren oder sensationelle Attraktionen in sich entdecken

Sich selbst neu zu erfinden als bahnbrechende Idee fällt zunehmend mehr oder weniger interessanten Menschen ein.  Die Neuerfindungen in unterschiedlich prominenter Ausprägung  präsentieren sich als einzigartige Sensation indem sie an Talkshows teilnehmen oder sich per Stories und Reportagen mitteilen.

 

Irritierende Einschnitte im Daseinslauf und im Lebensalltag entfesseln selten den Drang, sich neu zu erfinden. Viel eher dominiert im Fall solcher Störungen die Verlockung des Verharrens – zum Beispiel, wenn sich Veränderungen in zwischenmenschlichen Verbindungen unter Eltern, zwischen Lebensgefährten, in Familien ergeben, wenn geschäftliche Gemeinschaften auseinanderbrechen, wenn beruflich vertraute Grundlagen wegfallen.

Den Störungen im Dasein verharrend zu entsprechen könnte als Taktik des Aussitzens zu akzeptieren sein: Warten, bis alles irgendwie und irgendwann vorbei gegangen ist.

Warten, aussitzen und ignorieren oder sich ängstigen , sich beklagen, schwarzmalen?

 

Verharren und Abwarten kann gleichgesetzt werden mit dem Ignorieren entstehender Freiräume – zeitlicher wie auch örtlicher Freiräume:

Freiräume, frei von gewohnter Besorgnis und Enge – stattdessen mit sichtbar gewordenen Perspektiven, ohne die störende Statur von sich wichtig nehmenden Leuten in Blick.

Sich zu entscheiden, Störung im Dasein als unweigerlich gesetzt zu registrieren, eröffnet die Chance, sensationelle Attraktionen zu entdecken:  Die Sensation, attraktive Perspektiven bislang unbeachtet gelassen zu haben.

Die sensationelle Attraktivität bislang ungenutzter Fähigkeiten, sich auf zwischenmenschliche Abfolgen variantenreich einzulassen, toppt jede Neuerscheinung aus den Talkshows, Stories und Reportagenerlebnisnah und erlebenswert.

 

Wenn beim Rumgurken auf ausgefahrenen Gleisen Störung signalisiert wird, erscheint die Möglichkeit, neben der ursprünglichen Streckenführung einen Weg zu bahnen, als vernünftig, angemessen und vielleicht auch als Eröffnung sensationell attraktiver Perspektiven.

Hannelore Haupt

 

 

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