Der türkischen Gefangenschaft entronnen – das Entsetzen lässt Freude nicht aufkommen.

Ein Horrorszenario wird wahr:  Spontan verärgerte Regierende  wirken mit den Mitteln der Macht des Staates auf Männer und Frauen ein, setzen solcher­maßen ins Machtvisier Ge­nommene fest­.

Wenn die Festgesetzten erfahren, dass simpler Ärger, dass vorwürfliches Beleidigtsein das Einwirken der Staats­macht an­reizte, ist es vorstellbar, dass sich fas­sungslose Ohnmacht ausbreitet.

Wenn das Erkennen einsetzt, nicht etwa gegen er­kenn­bar bestehende Normen, Regeln, Gesetze ver­stoßen zu haben, sondern aktuellen [aktuali­sierten] Sichtwei­sen negativ zu genügen, wird ab­artiges  Horrorszenario wahr: Die zur Staatsmacht gehörende Gerichtsbarkeit be­findet über Verdacht und Beschuldigung, de­ren Zusammenhänge für die festgesetzte Per­son nicht ab­sehbar waren, nicht in bislang folge­richti­gem Sinn nachvollziehbar sind. Entsprechend wird eine Verteidi­gung zur Farce.

 

Kurt Baschwitz als Politik- und Kommunikations­wis­sen­schaftler, auch persönlich erfahren in Sa­chen Terror des Dritten Reichs, erklärte das hilflose Er­starren eines solchem Terror ausgesetzten Men­schen als stumme Panik.

Solchem Terror entronnen wiegt Erleichterung das Ent­setzen zu einem Teil auf – aber Freude, selbst wenn der Status lautet “DAVONGEKOMMEN“, dürfte umfas­send und ungebremst kaum aufkom­men.

 

Das Wissen, infolge  promi­nenter In­tervention bei der einwirkenden mächtigen Person „DAVONGEKOMMEN“ zu sein, gibt nicht zu steu­ernder Vorsicht Raum – neben „eingehandelter“ grundle­gend blei­ben­der Angst. Unabhängig davon, ob „DAVONGEKOMMEN“ be­deu­tet, sich nochmals einer abschließenden Be­trachtung durch die Terror verbreitende Macht aus­setzen zu müs­sen oder auf [macht-]räumlich siche­rem Abstand bleiben zu können – das willkürli­che Einwirken wird als erworbene Er­kenntnis sehr wahr­scheinlich in die künftige Le­bensgestaltung einflie­ßen.

Da sind sich aufdrängende Fra­gen nicht weit her ge­holt: Welche Räume und Möglich­keiten des unwägba­ren Einwirkens sind weiterhin, wann, wo und wo­raufhin an­zutreffen – wie soll die Vor­sicht ausge­richtet sein, um unwägbare machtge­steuerte Ein­wirkungen vermeiden zu können?

Und „rettend“ in­tervenierende Persönlichkeiten? Und deren Knowhow, sich im Be­reich unwägbaren Ein­wirkens zu bewegen – wenn nicht akzeptie­rend, so vielleicht zu­mindest tolerierend? Hinterfragen oder nicht? Wohl eher nicht.

 

Anhaltend davon auszugehen, in nicht vorherseh­barer Weise Bestimmungen und Sanktionen aus­gesetzt zu sein – Bestimmungen und Sanktionen, welche stets zu ändern, nicht wägbar, welche so­gar fallbezogen anzu­passen sind – „das hält keine S_ _  aus“. Wobei zumindest dem soeben beinahe unge­bremst benannten Nutztier kaum schwanen dürfte, dass es je­derzeit geschlachtet wer­den könnte.

 

Heute ist Reformationstag. Es wird an Dr. Martin Luther erinnert. Martin Luther ging mit der Willkür Mächtiger hart ins Gericht – und war selbst Repressalien und Ängsten ausgeliefert.

Heute feiern Gruselwillige lustvoll Halloween – wer möchte Unpassendes zwischen beiden Anlässen an einem Tag oder Ge­gensätzliches beklagen?

 

Hannelore Haupt

 

PS

Apropos Gruseln! Wie wird der mächtige Herrscher aus dem Morgenland reagieren, wenn sein auf Für­sprache zunächst freigelassenes Opfer nicht zur ge­richtlichen Fortsetzung des machtvollen Einwirkens er­scheint? Wird dies dem Mächtigen als Begründung dienen, die weiteren fest­gesetzten Opfer in seinen Fängen eingesperrt zu las­sen?

Ein dummes Spiel zulasten Kluger, Gebildeter, Ge­scheiter – banal? Die Banalität des Bösen? Eine kluge Frau aus dem vergangenen Jahrhundert brachte die Banali­tät des Bösen in Zusammenhang mit empörender Dummheit.

Und:

Gibt es überhaupt, irgendwo, zuverlässig-bere­chenbar Schutz vor banal Bösem und empörend Dum­mem?

                                                                                                          Hannelore Haupt

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