Sechs Monate Texte im Blog: Sich erinnern, Austausch im Gespräch, Diskurs beleben

Die Idee:

Eine ausgewählte Aussage aus dem jeweiligen Text wird zum Schwerpunkt und das zugehörige Thema zur untergeordneten Info.

15. Juni 2017 : … hinein ins Geschehen … Es geht um Wissen und Wissenswertes, um Interessantes und Interessierte, um Klugheit und kluges Handeln  [Thema: Flott begonnen]

15. Juni 2017: … Striktes Positionieren gegenüber abweichenden Aspekten in der Auseinandersetzung wer­tet und entwertet Sichtweisen. … [Thema: Keinen Streit wert oder einen Streit wert? Konflikt und Auseinandersetzung – erle­benswert und innovativ oder wert und teuer]

17. Juli 2017: … Die Menschen, die in der Türkei in Haft genommen sind, kenne ich nicht, aber ich würde gern mehr über sie wissen. … [Thema: Erdogan diskriminiert sein Volk, indem er Persönlichkeiten zur Geltung bringt, die eigentlich niemand haben will]

24. August 2017: … Mit Traumatisierung gut durchs Leben zu kommen ist wahrscheinlich der Bereitschaft zum Risiko zuzuordnen, „Es“ anzugehen, ein Trauma beschwertes Risiko, hat kaum etwas mit Un­ternehmung wider besserem Wissen zu tun – eher mit dem Wissen um kalkuliertes Risiko. … [Thema: Risiko und Trauma – ein konstruktives Pärchen?]

19. September 2017: … „findest Du mich gut, finde ich Dich gut und wenn mich viele andere gut finden, finden die gut, dass Du mich gut findest …“ ist der Handel ohne Bestätigung und ohne Abschluss. Mit diesem Handel kommt Angst auf – Angst vor der quälenden Erkenntnis, dass niemand unter den Handelnden weiß, was an der anderen Person eigentlich gut ist und wie es dazu kommt, dass dies gut sein könnte … [Thema: Wer die Wahl hat, hat die Qual der Angst vor der Entscheidung]

19. September 2017: … zu entscheiden, Störung im Dasein als unweigerlich gesetzt zu registrieren, eröffnet die Chance, sensationelle Attraktionen zu entdecken: Die Sensation, attraktive Perspektiven bis­lang unbeachtet gelassen zu haben. [Thema: Verharren oder sensationelle Attraktionen in sich entdecken]

31. Oktober 2017: … das willkürliche Einwirken wird als erworbene Erkenntnis sehr wahrscheinlich in die künftige Lebensgestaltung einfließen. …  / … die Banalität des Bösen in Zusammenhang mit empörender Dummheit. … Gibt es über­haupt, irgendwo, zuverlässig-berechenbar Schutz vor banal Bösem und Dummem? [Thema: Der türkischen Gefangenschaft entronnen – das Entsetzen lässt Freude nicht auf­kommen.]

3. Dezember 2017: … die Möglichkeit der „fallweisen Erfindung anständigen Verhaltens“. … [Thema: Sportlich nehmen – wer sich einer Sache verschreibt, entspricht der Neigung und bekennt sich zur Pflicht?]

 

Zum Jahresausklang viele Grüße von Hannelore Haupt

 

Sportlich nehmen – wer sich einer Sache verschreibt, entspricht der Neigung und bekennt sich zur Pflicht [?]

„Nimm’s sportlich …“ lautet eine gängige Aufmunterung wenn es um Enttäuschung, um Zu­rückweisung, um Streit, um vermeintliches Unrecht geht. „Sportlicher“ Sichtweise stehen geregelte Erwartungen als Anforderungsmuster des Parcours und der Kür zur Verfügung: Geregelte Pflicht und die Regelung der Neigung sozusagen.

Den geregelten Erwartungen kommt das Prädikat „enttäuschungsfest“ zu.

Bedeutet dies, sich der Verantwortung im Interesse einer Sache [sportlich] zu stellen, indem willentlich enttäuschungsfeste Haltung eingenommen und beibehalten wird?

Kommen – sportlich genommen – Anforderungen zwischen Pflicht und Neigung ohne Hinter­fragen nach Wille … Willkür … unwillkürlich aus?

 

Dem komplexen Regelwerk des Parcours stellen sich Sport Treibende und Spielende – frei­willig, ehrgeizig, erfolgsorientiert. Präzise vorgegebene Hindernisse [Schikanen] in Verbindung mit präzisen Regeln zur Bewäl­tigung der abgesteckten Strecke gestalten den sportlichen Wettstreit.

Dem verbindlichen sportlichen Leistungsstreben ähnlich laden Karten- und Brettspiele ein, spielerischem Ansporn zu folgen.

Geregelte Schikanen sportlich „zu nehmen“ spornt an, sich selbst mit vergleichbar Motivierten im Wettstreit zu erproben, sich solchermaßen gewürdigt zu sehen.

 

Die Herausforderung der Kür begründet sich auf die Akzeptanz der Pflicht, nämlich der „Schi­kanen“ des Parcours und das kompetente Umgehen mit dem Gesamtregelwerk. Anders als das verpflichtend vorgegebene Bewältigungsschema zeigt sich – variiert entworfen – kreative Bewältigung der vorgegebenen Elemente und Strecken.

Die Kür resultiert aus individuell entwickelter Befähigung. Der Zweck, Fertigkeit, Leistungsbe­reitschaft sowie die Auseinandersetzung mit Hindernissen und Regeln individuell kreativ im Wettstreit zu bewältigen, wirbt um Würdigung.

Und wenn sich das Regelwerk mit den Schikanen, den präzise vorgegebenen Regeln und Strecken als beengend oder individuell unpassend erweist? Wenn auch eine Kür nicht gelingt – willkürlich oder unwillkürlich die Schikanen nicht zu nehmen sind? Ist dann der Wille, die Neigung zu überdenken, sich aus der Pflicht zu lösen, akzeptabel? Soll es dann die Akzeptanz als Ausdruck von Respekt für willentliche Entscheidung sein  oder das Pflegen weiterer Muster wie Zuweisung, Unterstellen, Distanzieren?

Ein vormals maßgeblicher Verfassungsrechtler gab einmal den Hinweis auf die Möglichkeit der „fall­weisen Erfindung anständigen Verhaltens“. Wie dies gehen soll, umriss er nicht mit dem Hin­weis auf Regelwerke, sondern mit dem Grundsatz, „den Geist im Apparat selbst zur Geltung zu bringen“.

 

Zur weihnachtlichen Kür, nicht nur die Ernährung sicher zu stellen, sondern Leckereien und feines Essen anzubieten und zu genießen sowie neben der alltäglichen Grundversorgung für die Nächsten besondere Aufmerksamkeiten zu  verschenken, sende ich die besten Wün­sche.

Am ersten Advent 2017  –  Hannelore Haupt